Montag, 1. April 2013

Rezension: "Demi Monde: Welt außer Kontrolle - Die Mission"

Cover © Goldmann
Produktinformationen:
Originaltitel: The Demi-Monde -Winter
Autor: Rod Rees
Verlag: Goldmann Verlag
Serie: Demi Monde (Band 1)
Format: Klappenbroschur
Seiten: 608 Seiten
ISBN: 978-3-442-47567-4
Preis: 12,99€ [D]; 13,40€ [A]

Englische Website:

Inhalt:
Eigentlich wollte Ella Thomas nur einen Job als Jazzsängerin und bekommt stattdessen einen Millionen Job angeboten. Sie soll die Tochter des Präsidenten aus einer Computer Simulation befreien, die der realen Welt nachempfunden ist und eigentlich als militärisches Trainingsmodul für asymmetrische Kriegsführung entwickelt wurde.

Bewusst, dass sie sich in einer finanziell aussichtslosen Lage befindet nimmt Ella den Job an und wird in die grausame Computersimulation eingeschleust. Doch die Demi Monde steht längst nicht mehr unter der Kontrolle ihrer Entwickler, denn die dort lebenden Menschen, so genannte „Dupes“, haben längst ein Eigenleben entwickelt und wissen von der Realen Welt außerhalb der Demi Monde. Für Ella beginnt ein nahezu unmöglicher Auftrag ...

Backround Infos:
„Demi Monde“ ist eine auf vier Teile ausgelegte Serie des amerikanischen Autors Rod Rees. Der Folgeband „Der Widerstand“ erscheint im Juli 2013.

Rezension:
Die Geschichte beginnt mit einem Prolog der in der alternativen Welt von Demi Monde spielt. Man lernt einige der dort lebenden Personen kennen, die allesamt wichtigen Personen aus der Menschheitsgeschichte nachempfunden sind. Gleich im nächsten Kapitel lernen wir Ella Thompson kennen, ein achtzehnjähriges Mädchen aus der realen Welt, die von der Regierung zur Rettung der Präsidententochter Norma angeheuert wird. Diese wurde durch einen perfiden Trick in die Demi Monde entführt.

Ella, die mit enormen Geldsorgen zu kämpfen hat und obendrein noch einen Heroinabhängigen Bruder hat, lässt sich auf den eine Millionen Dollar schweren Fall ein. Doch bereits in einer Vorabsimulation lernt sie die Grausamkeiten der Demi Monde kennen, die eigentlich als Simulation asymmetrischer Kriegsführung für Soldaten erstellt wurde. Um diese effektiver zu gestalten, muss man sich gegen Persönlichkeiten wie Reinhard Heydrich, dem grausamen SS-Offizier aus dem dritten Reich. Die Bevölkerung der Demi Monde sieht die Reale Welt als Mythos an, in dem Dämonen hausen, die ab und an deren Welt besuchen und dort Unruhe stiften. Nicht so Heydrich. Er weiß um die Reale Welt und hat seine ganz eigenen Pläne mit dieser.
Diesen Teil der Geschichte fand ich beim Lesen wirklich sehr interessant, jedoch war mir die ganze Zeit überhaupt nicht klar, woher Heydrich von der Wahrheit über die Reale Welt wusste. Vor allem scheint er davon auch schon gewusst zu haben, bevor die Präsidententochter dorthin entführt wurde. Wieso also hat man das Programm zu dem Zeitpunkt dann nicht einfach abgeschaltet, wenn man wusste, dass es zur Gefahr für die Reale Welt werden könnte? Also an dieser Stelle gibt es ein paar Ungereimtheiten.

Ella wird dann also auf sich alleine gestellt in die Demi Monde eingeschleust und muss sich auf die Suche nach Norma machen. Warum gerade Ella die Auserwählte ist, die diesen Job übernehmen soll ist allerdings ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Denn derjenige, der die Rettung übernehmen soll, muss Jazz singen können. Nur so ist es möglich, sich als Farbige (was Ella nunmal ist) in ein Viertel einzuschleusen, dass einem arischen Kult nachgeht.

In der Demi Monde angekommen, lernt Ella den Pseudo Mentalisten Vanka kennen. Da ihr der Beruf als Jazzsängerin mit zu viel Freizügigkeit verbunden ist, nimmt sie stattdessen sein Angebot an, seine Assistentin bei Auftritten zu werden. Und da sie nebenbei auch ein Dach über dem Kopf hat, gestaltet sich die Situation für Ella dann doch ganz praktisch. Schön zu lesen ist hierbei, dass Ella eine sehr logisch denkende junge  Frau ist, und so auch die Motive von Vanka laufend in Frage stellt. Schließlich ist er ein ihr unbekannter Mensch in einer unbekannten Welt. Im großen und ganzen ist sie also eine authentisch wirkende Protagonistin. Jedoch habe ich mich des öfteren gefragt weshalb sie nichtmal einen Gedanken an ihren Bruder verschwendet. Schließlich hat sie keine Ahnung wie er in der Realen Welt ohne sie zurecht kommt und ein bisschen Sorge wäre da schon angebracht.

Gemeinsam mit Vanka geht Ella also ihrem Auftrag nach und muss sich gegen Rassismus und Fanatismus durchsetzen. Leider verläuft mir die Handlung aber viel zu glatt wenn man bedenkt, in was für einer Welt Ella dort umherspaziert. Es fehlen einfach die Hindernisse, die das nötige Maß an Spannung in die Mission gebracht hätten. Ella hätte mit weitaus mehr Schrammen und Kratzern davonkommen müssen, denn so wirkt das Ganze auf den Leser eher unlogisch. In einem Satz wird noch beschrieben, wie die Feinde mit Handgranaten um sich werfen und Ella spaziert quasi ganz entspannt durch das Getümmel hindurch. Nein, so funktioniert das nicht.

Was die Charaktere betrifft, bin ich gespaltener Meinung. Ella war mir ab und an durchaus sympathisch aber letzten Endes ist sie keine  von den Protagonistinnen mit denen ich mich leicht identifizieren kann. Ihr fehlten wohl einfach die Ecken und Kanten.
Die Nebencharaktere wie zum Beispiel Vanka fand ich durchaus interessant und ich finde auch, dass dieser durchauch Potential für eine größere Rolle hätte, jedoch wurde ihm meiner Meinung nach, nicht genug Beachtung geschenkt in der Geschichte, bzw. ich hätte einfach gerne mehr über ihn erfahren.

Trotz aller Kritik bin ich von der Idee jedoch sehr angetan. Denn das Thema rund um eine Computersimulation, die plötzlich ein Eigenleben entwickelt und zur Bedrohung für die unsere Welt wird, ist für unsere heutige Zeit gar nicht mal so abwegig. Dementsprechend verfolgt man die Entwicklung der Simulation im Buch natürlich auch gespannt, weil man wissen will, welche Ausmaße solch ein Schlamassel annehmen kann.

Das Ende der Geschichte endet nach jeder Menge Krawall und Geschoss in einem Cliffhanger, der sämtliche Schicksale der Charaktere offen lässt.

Fazit:
Die Geschichte rund um die Demi Monde ist definitiv mal etwas neues abseits der regulären  Dystopien auf dem Markt. Jedoch denke ich, dass der Autor das Potential der Geschichte reichlich verschenkt hat, da diese einige Ungereimtheiten hat und auch die Charaktere nicht unbedingt authentisch sind. Das Thema an sich sorgt jedoch für das nötige Maß an Spannung um das Interesse des Lesers aufrecht zu erhalten und auch die Auftritte historischer Persönlichkeiten wie Heydrich bieten dem Leser durchaus gute Passagen in der Geschichte.
Für Diejenigen, die große Dystopie Fans sind, und nicht an oberflächlichen Charakteren stören, dürfte dieses Buch jedoch genau das Richtige sein.

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